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Ein Abend mit Madeleine Albright

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Der Santa Cruz Bookshop hatte sein bisher größtes Event organisiert: eine Buchvorstellung mit Madeleine Albright! Erste Frau als Außenministerin der USA, berufen von Bill Clinton. Großer Empfang, mit standing ovations. Und das hatte schon was, wenn fast 3.000 Leute aufstehen und klatschen. Alle im Publikum haben eine signierte Paperback-Fassung des Albright-Buchs bekommen. Die Arme hat wohl acht Stunden in einem Zimmer des Buchladens zugebracht und unterschrieben. Chapeau! Ihr Buch hat das Thema: “Faschismus. Eine Warnung.” Das Ganze ist wohl nicht nur eine historische Betrachtung, sondern auch eine Einordnung der heutigen Politik in ‘illiberalen Demokratien’ (politische Systeme mit demokratischem Mehrheitswahlrecht, aber ohne liberale Schutzrechte der einzelnen Menschen), aber auch in den USA. Das Publikum war ein Heimspiel, schließllich ist Santa Cruz eine liberale Küstenstadt im ohnehin tiefblauen (demokratischen) Kalifornien. Als kurz erwähnt wurde, dass parallel Präsident Trump seine Rede zur Lage der Nation hält, gab es ein großes beeindruckendes “Buuuh” in der Halle. Da waren keine sonderlich kritische Fragen zu erwarten. Das Thema Ruanda kam mal kurz auf, worauf sie sagte, dass man damals mit den Informationen agierte, die man seinerzeit hatte. Dann spielte sie den Ball den UN zu, die wohl die Mitglieder des Sicherheitsrats nicht angemessen informiert hätte, und selbst wenn man mehr gewußt hätte, hätte die Zeit wohl für eine angemessene Reaktion nicht ausgereicht. Nun ja, bei einem kritischeren Publikum wäre sie damit nicht durchgekommen. Was bemerkenswert war: das Publikum zu mindestens ⅔ Frauen, der generelle Altersschnitt 50+, und fast ausschließlich weiße Mittel- und Oberschicht. Fast keine Schwarzen, keine Latinos, keine Asiaten. Ganz offensichtlich rockt das Thema nicht alle Gruppen, oder Madeleine Albright ist nur die Galionsfigur für die Anwesenden. Das Thema ist jedenfalls interessant genug für alle Gruppen. Sie hatte auch eine einfache und plausible Erklärung, warum die US-Amerikaner Multilateralismus nicht mögen: Zuviele Silben, und es endet auf -ismus. Wieder was gelernt.