"Guten Tag, wir bitten Sie, die Wohnung bis auf weiteres wegen eines größeren Gasaustritts zu verlassen."

Es wird nicht langweilig.

26. February 2019 | 207 Wörter

Dienstag ist in diesem Quartal ein Tag zum Lesen und Schreiben, weil ich nicht wegen Vorlesungen zur Uni muss. Da sitze ich also am Schreibtisch und wundere mich, daß draußen irgendwie ein Lautsprecher zu hören ist. Kurz darauf gehen ein Polizist und ein Feuerwehrmann von Tür zu Tür und klopfen laut und vernehmlich daran. Auch an meiner Tür. Als ich aufmache, werde ich freundlich gebeten, doch die Wohnung zu verlassen, weil es in der Nähe ein ‘major gas leak’ gäbe, also einen größeren Gasaustritt. Bei der offenen Tür war das auch deutlich zu riechen.

Oha. Alles klar. Das muss jetzt fix gehen. Also schnell alle Stromstecker ziehen (wegen möglichen Funken), Jogginghose aus (damit die anderen nicht sehen, daß ich [nach Lagerfeld] die Kontrolle über mein Leben verloren habe), Jeans an, Computer einpacken (wegen Uni-Kram), Reisepaß, Handy, Geldbeutel ebenso und dann los zum California Pizza Kitchen, ein Restaurant, in dem ich regelmäßig Mittag esse. Hoffentlich haben die das beizeiten wieder im Griff, so daß ich zurück kann. Für konzentriertes Arbeiten ist der kleine Bildschirm am Laptop nämlich nur bedingt geeignet. Wenigstens habe ich alle möglichen Ladekabel dabei.

Hier wirds nicht langweilig. Drei Stromausfälle, Erdbeben, und nun das. Mal sehen, was Kalifornien noch alles in petto hat …


Pfannkuchen und Pucks

Entertainment auf Amerikanisch

18. February 2019 | 388 Wörter
Foto vom Eishockey-Spiel

Heute war President’s Day, Präsidentenfeiertag. Dieser Feiertag geht zurück auf George Washington. Witzigerweise kann sich jeder Staat aussuchen, auf welches Datum er diesen Feiertag genau legt, solange er zwischen dem 15. und 21. Februar liegt. Ironischerweise wurde Washington am 22. Februar geboren, also einen Tag nach dem letztmöglichen President’s Day. Für Kalifornien gilt die einfache Regel “der dritte Montag im Februar.”

Hier haben einige Familien der deutschen Community den Tag genutzt, um nach San José zu fahren, um dort das Eishockey-Spiel der San José Barracudas gegen die San Diego Gulls zu sehen. Vorher hatten wir uns entschlossen, noch im IHOP (sprich: Ei-Hop) zu frühstücken, dem International House of Pancakes. Der Laden war gut voll, weil wir scheinbar nicht die Einzigen waren, die auf diese Idee gekommen waren. Die Portionen sind groß, wahnsinnig süß, aber nicht teuer. Das Tückische hier ist, daß in den Karten bei jedem Gericht die Kalorienzahl aufgeführt werden muss. In einem Pfannkuchenhaus ist das übel. Man kann hier ohne Probleme das 2.000-Kalorien-Limit des Tages direkt beim Frühstück reißen. Ich habe mich davon nicht abschrecken lassen und Spicy Vanilla gegessen, drei Pancakes mit etwas Sahne und einer Vanille-Soße dabei. Dazu noch Endless-Refill Coffee, also Kaffee, der immer nachgeschenkt wird, und das Frühstück war perfekt.

Dann im schönsten Sonnenschein weiter zur SAP-Arena. Wir wollten früh da sein, damit wir zu den ersten 4.000 gehören, denn die sollten ein T-Shirt bekommen. Hat auch funktioniert, so daß ich nun als Souvenir von diesem Trip ein mehr oder weniger schönes oranges T-Shirt der San José Barracudas mitgebracht habe.

Das Spiel war anfangs recht spektakulär, mit vielen Toren im ersten Drittel. Ab und zu gab es auch mal einen Faustkampf auf dem Eis, was hier wohl scheinbar normal ist und dazu gehört. In den Spielunterbrechungen werden dann von den Kameras immer irgendwelche Leute ins Bild genommen, deren größter Spaß es dann ist, Faxen zu machen. Gerne werden auch Kinder ins Bild genommen, die zur Musik tanzen oder Quatsch machen. Großes Familien-Entertainment.

Gegen Ende zerfaserte das Spiel dann. War nicht verwunderlich: die Barracudas lagen 5:2 vorne, und damit war das Spiel eigentlich gelaufen.

Ich werde wahrscheinlich nie ein großer Eishockey-Fan, aber der Tag mit Brunch, dem Spiel und Sonne war schön. So lasse ich mir Feiertage gefallen.


Leckerer Nachtisch ...

... aber halte Dich nicht zu lange damit auf.

9. February 2019 | 243 Wörter
Foto vom Nachtisch mit Glückskeksen und der Rechnung

Ich war vorhin bei PF Chang essen. Das ist eine Kette von besseren China-Restaurants mit angenehmem Ambiente und wenig Geschmacksverstärker. Habe dort eine sehr leckere Buddhistische Fastenspeise gegessen (Buddha’s Feast), mit Tofu, Broccoli, Spargel und Pilzen.

Als Nachtisch habe ich mir dann noch ein Erdbeer-Yoghurt-Kekskrümel-Etwas gegönnt.

Und dann kam das, woran ich mich nach vielen Monaten hier immer noch nicht gewöhnt habe: Gemeinsam mit dem Nachtisch und dem Auffüllen der Cola kam dann gleich die Rechnung (gut versteckt unter den Glückskeksen). Hier fragt man nicht nach der Rechnung, sondern bekommt sie direkt vor die Nase, wenn die Bedienung glaubt, daß keine weiteren Bestellungen erfolgen werden. Natürlich immer mit den Worten “Ist nicht eilig, laß’ Dir Zeit.” Natürlich läßt man sich keine Zeit.

Das Gefühl für einen normalen Mitteleuropäer ist nachvollziehbar: Hier bin ich nicht mehr willkommen, die wollen mich loswerden. Und in gewisser Weise stimmt das auch: Der Kunde belegt einen Platz, bestellt aber nichts mehr und ist somit für den Umsatz erledigt. Hier könnte schon längst ein neuer, zahlender Kunde sitzen.

Ich kenne nur einen Kellner, der wartet, bis ich nach der Rechnung frage. Ich gehe hier in Monterey oft und bei verschiedenen Restaurants essen, weil es schnell geht, gut schmeckt und nicht viel kostet (wenn man ein Mittagsmenü bestellt). Aber dieses ungefragt-die-Rechnung-auf-den-Tisch-ballern nervt mich maßlos.

Der Nachtisch hat mich wieder etwas versöhnt. Sehr lecker, ganz frisch und (vermutlich) wenig Zucker.


Ein Abend mit Madeleine Albright

Und warum die Amis Multilateralismus nicht mögen

5. February 2019 | 310 Wörter

Der Santa Cruz Bookshop hatte sein bisher größtes Event organisiert: eine Buchvorstellung mit Madeleine Albright! Erste Frau als Außenministerin der USA, berufen von Bill Clinton. Großer Empfang, mit standing ovations. Und das hatte schon was, wenn fast 3.000 Leute aufstehen und klatschen. Alle im Publikum haben eine signierte Paperback-Fassung des Albright-Buchs bekommen. Die Arme hat wohl acht Stunden in einem Zimmer des Buchladens zugebracht und unterschrieben. Chapeau!

Ihr Buch hat das Thema: “Faschismus. Eine Warnung.” Das Ganze ist wohl nicht nur eine historische Betrachtung, sondern auch eine Einordnung der heutigen Politik in ‘illiberalen Demokratien’ (politische Systeme mit demokratischem Mehrheitswahlrecht, aber ohne liberale Schutzrechte der einzelnen Menschen), aber auch in den USA.

Das Publikum war ein Heimspiel, schließllich ist Santa Cruz eine liberale Küstenstadt im ohnehin tiefblauen (demokratischen) Kalifornien. Als kurz erwähnt wurde, dass parallel Präsident Trump seine Rede zur Lage der Nation hält, gab es ein großes beeindruckendes “Buuuh” in der Halle. Da waren keine sonderlich kritische Fragen zu erwarten. Das Thema Ruanda kam mal kurz auf, worauf sie sagte, dass man damals mit den Informationen agierte, die man seinerzeit hatte. Dann spielte sie den Ball den UN zu, die wohl die Mitglieder des Sicherheitsrats nicht angemessen informiert hätte, und selbst wenn man mehr gewußt hätte, hätte die Zeit wohl für eine angemessene Reaktion nicht ausgereicht. Nun ja, bei einem kritischeren Publikum wäre sie damit nicht durchgekommen.

Was bemerkenswert war: das Publikum zu mindestens ⅔ Frauen, der generelle Altersschnitt 50+, und fast ausschließlich weiße Mittel- und Oberschicht. Fast keine Schwarzen, keine Latinos, keine Asiaten. Ganz offensichtlich rockt das Thema nicht alle Gruppen, oder Madeleine Albright ist nur die Galionsfigur für die Anwesenden. Das Thema ist jedenfalls interessant genug für alle Gruppen.

Sie hatte auch eine einfache und plausible Erklärung, warum die US-Amerikaner Multilateralismus nicht mögen: Zuviele Silben, und es endet auf -ismus.

Wieder was gelernt.


Da kommt man aus der Vorlesung zu Orientalismus...

... und da grüßt ein schöner Regenbogen...

4. February 2019 | 36 Wörter

Gerade kam ich aus der Vorlesung zum Orientalismus (ein echt amerikanisches Thema, in Deutschland weitgehend unbekannt), und da sehe ich einen großen schönen Regenbogen. Und das, obwohl ich mich gerade erst über das Wetter beschwert habe…


Come to sunny California

... but then they send me to Monterey

4. February 2019 | 42 Wörter
Foto vom Parkplatz an der NPS im Regen

Seit Tagen regnet es hier. Und wenn es nicht regnet, dann schauert es zumindest. Nervig. Zumal hier dann alle sofort auf dem Freeway 20mph langsamer fahren.

Wird Zeit, daß mal wieder der kalifornische Sommer ausbricht. Zumal die Temperaturen in Monterey erträglich bleiben.


Superbowl 53 - Meine Patriots gewinnen.

Solide, unspektakuläre Arbeit

3. February 2019 | 148 Wörter

War gerade bei einer Superbowl-Party bei unserem schweizerischen Kameraden. Er hatte eingeladen, und es waren ca. 15 Leute da. Feine Sache, den Superbowl mal zu einer normalen Zeit sehen zu können, statt in Deutschland zu nachtschlafener Zeit.

Wahnsinnig viel Essen und Trinken. Was mich etwas verwundert hat: Die erste Halbzeit hat sicherlich kaum jemand auf das Spiel geachtet, sondern sich fleißig unterhalten und gegessen. Das mag vielleicht auch am unspektakulären Spiel gelegen haben, aber mir schien, daß das der normale Ablauf ist.

Die vielgerühmte Werbung während des Superbowls war meistens witzig und - so mein Eindruck - weniger nervig als zuhause.

Die Halbzeitshow fand ich langweilig, aber mit einer Rock-Pop-Boygroup Maroon 5 kann ich vielleicht alterbsbedingt nichts mehr anfangen. Die amerikanischen Gäste waren besser informiert, aber aus dem Häuschen waren sie auch nicht.

Fazit: Ein mäßig spannendes Footballspiel, gute Unterhaltungen und gutes Essen: Das hat sich gelohnt.


facebook's Zuckerberg und seine Pläne

Bei mir ist Whatsapp nur noch auf Zeit auf dem Handy

29. January 2019 | 66 Wörter

Wenn Zuckerberg tatsächlich seine drei Monopolisten-Apps (Whatsapp, Instagram, Facebook Messenger) miteinander verbindet, dann ist das für mich das Signal zum Ausstieg aus WhatsApp. Als Facebook seinerzeit Whatsapp übernahm, hieß es, daß Whatsapp immer unabhängig und werbefrei bleiben würde. Jetzt fliegt beides über Bord.

Nun, meine Konsequenz ist: Whatsapp fliegt von Bord. Meine Alternative ist das Schweizer Threema, das es auch für Android und iOS gibt.


Kommandoübergabe

Der König ist tot, es lebe der König

29. January 2019 | 165 Wörter
Foto des Auditorium Maximum

Heute fand hier die Kommandoübergabe des Präsidenten der NPS von Vizeadmiral a.D. Route an Vizeadmiral a.D. Rondeau statt. Das Ganze wurde vom U.S.-Marineminister durchgeführt.

War interessant, mal eine amerikanische Zeremonie zu sehen. Das Brimborium war sehr geschichtsträchtig und stilvoll. Ein Bootsmann hat Seite gepfiffen, eine Flaggenabordnung marschierte herum und jeder der drei Obengenannten hat ein eigenes Musikstück gespielt bekommen.

Die Rede des scheidenden Präsidenten war launig, viel Dank an alle, vor allem seine Frau (‘Navy-wife’). Die Rede der neuen Frau Admiral war schrecklich langweilig und überhaupt nicht packend. Hat mich verwundert, weil ich amerikanische Dreisterner bisher immer als begabte Redner und fast schon Menschenfischer erlebt habe.

Der Marineminister sprach etwas packender, aber auch sehr amerikanisch-militärisch (increase lethality, tip-of-the-spear, our battle-cry is urgency), was für deutsche Ohren manchmal sehr martialisch und testosteron-geschwängert wirkt.

Natürlich kam auch noch die unvermeidliche Nationalhymne und zweimal ein Gebet vom Navy-Kaplan. Hätte er mal um bessere Reden gebeten …


Kurzbesuch in Carmel-by-the-Sea

Mal kurz weg von den Büchern

24. January 2019 | 106 Wörter
Foto vom Strand in Carmel mit Wattläufern

Weil ich etwas schneller mit der Erstellung eines Vortrags fertig war, habe ich mir die zweite Tageshälfte freigenommen. Und weil draußen die Sonne so schön lachte, bin ich fix nach Carmel gefahren, ein schmuckes kleines (und reiches) Dorf.

Dort gibt es eine tolle Einkaufsstraße, viele Juweliere, Kunstgeschäfte und Immobilienmakler. Hier geht vermutlich die Golf-Elite und haute volée von Nordkalifornien shoppen.

Das Highlight aber ist der Strand, ein langer weißer Sandstrand. Als ich im Wasser gelaufen bin (schöne Kneippkur, der Pazifik ist saukalt), wurde ich von ein paar Wattläufern begleitet. Frage mich, was die hier suchen. Habe noch keine Wattwürmer, Schnecken und kaum Muscheln gesehen …